London, Baby!

Eis, und nochmal Eis, und nochmal Eis — und immer noch Eis. Die Havel weigerte sich einfach ruderfähiges Wasser bereitzustellen und die Regatta in London rückte immer näher. Also rauf aufs Ergo und trainieren, was geht.

Der Regattatermin am Anfang der Osterferien war einfach zu verführerisch, und so fand sich nach 2025 zum zweiten Mal eine unerschrockene Masters – Männer – Crew, um am „Head“ in London teilzunehmen. Altersmix? Die diesjährige Crew hatte einen Altersunterschied von 40 (!) Jahren im Boot und wurde von einem richtig großen Fanblock unterstützt. Mit im Fanblock unsere Antje — aber Moment mal: Da gäbe es eine Möglichkeit, mit einer gewissen Julie vom Londoner Ruderklub Auriol – Kensington (kurz AK) eine Mannschaft zu formieren und wer Antje kennt…. Kurzum: Dieses Mal war Saffo mit zwei Booten dabei, einer Damen – Composite – Crew im 4x und der traditionellen Männercrew im 8+.

Die wenigen Trainingstermine auf dem Wasser erwiesen sich als schwierig, aber schlussendlich war man zur Regatta nicht nur gut im Schuss, sondern auch einigermaßen als Team zusammengekommen. Einen großen Anteil daran hatte Merle, die uns als Steuerfrau natürlich in- und auswendig kennt. Nach den ersten Trainingstouren entschied sich der begnadete „Spielertrainer“ Dirk doch noch einmal für die Schlagposition, um so für alle Altersklassen an Bord einen optimalen Rhythmus zu finden. Gar nicht so einfach bei 40 Jahren Altersunterschied — doch kommen wir gleich zum Rennen.

Renntaktik: Unser üblicher kraftvoller Schlag mit einer Frequenz unter 30, im Endspurt natürlich mehr. Rennrealität: Leider ließ das unmittelbar nach uns startende Boot diese Taktik nicht zu. Die rückten uns gleich auf die Pelle, also hoch mit der Frequenz — die kommen nicht vorbei. Sind sie auch nicht! Merle hat sich optimal mit den Strömungsverhältnissen arrangiert, zum Schluss waren wir 20 Sekunden schneller als im letzten Jahr und wurden nur von den wirklich bärenstarken Mannschaften überholt. Auf der Strecke gab es ausserdem soulfood durch lautstarke Anfeuerungen von unserem Fanblock, der die Strecke per Fahrrad zurücklegte. Vielen Dank an Ansgar, Leonie, Nathalie, Svenja und Gabi!

Da wir mit der Startnummer 41 im ersten Block gestartet waren, konnten wir schnell zurück zu AK bzw. Furnivall an der Hammersmith Bridge, um dort auf der Terrasse stehend Antjes Boot zu erwarten. Julie Watson von AK entpuppte sich als eine exzellente und sehr erfahrene Ruderin die alles wollte und sich bis zum ersten gemeinsamen Training mit Birgit und Wiebke (beide RCT) und unserer Antje nicht so sicher war, auf was sie sich da eingelassen hatte. Die Mannschaft war sehr ehrgeizig, und die Taktik war klar: alle überholen — dann haben wir gewonnen! Zwischenzeitlich hatte sich der Saffo – Chor auch auf dem Balkon von Furnivall platziert, und lautstark hallten die „Saffo – Saffo“ – Rufe über die Themse. Die Stimmung war exzellent und unsere Damen schossen nur so den Fluss hinunter. Alles in Sichtweite wurde überholt; nur ein Vierer entzog sich den Blicken unserer Damen — und ausgerechnet die waren im Ziel schneller. Sei’s drum: ein exzellenter 2. Platz in London und damit das bestplatzierte Boot mit deutscher Beteiligung. Gut gemacht und mit Stil, die Damen!

Auch wenn der Zauber der ersten Teilnahme nicht mehr ganz erreicht wurde, war es eine sehr gelungene Regatta und ein tolles Erlebnis, als Saffo – Familie nach London zu reisen. Natürlich gab es auch die üblichen kulturellen Nebenschauplätze (Museum, Galerie, Pub, Bootstour, Shopping, Fish & Chips), aber das wirklich Wichtige für mich war, ein Team an den Start gebracht zu haben — was für jeden Einzelnen durchaus aufwändig ist (Reisedokumente, Lizenz bei British Rowing, Hotelbuchung, Bootsmiete, Anreise etc.). Als „alter Sack“ bedeutet es mir viel, die Flamme am Brennen zu halten und die (etwas) Jüngeren zu unterstützen und zu ermuntern, selbst solche Touren zu unternehmen. Man kann ja nicht ewig Schlag fahren.

Die diesjährigen Mannschaften bestanden aus:

  • Damen 4x D: Julie Watson (AK), Wiebke Kaufhold, Birgit Ehrig (RCT) und Antje Zellmer
  • Herren 8+ D: Merle Zellmer (Cox), Dirk Zellmer, Angelo Rudolphi, Sascha Rudolphi, Jan Pausewang, Christian Dinter, Lars Quernheim, Martin Wilms und Reinhard Wilms
  • Fanblock: Die Piepenbrink – Sisters, Svenja Quernheim, Ansgar Zellmer, Gabi Wilms und diverse familiäre Schlachtenbummler

Kleiner Nachtrag: Zwischenzeitlich hat sich der Kontakt zu AK ausgebaut — mal sehen, was daraus noch wird. Rudern verbindet!