2015-2018-2023

Vogalonga die Dritte

Die Vogalonga gehört zu den Höhenpunkten für jeden Ruderer und normalerweise freut man sich, wenigstens einmal die Serenissima rudernd erlebt zu haben. Allerdings gibt es viele Wiederholungstäter, so schön bleibt dieses Erlebnis in Erinnerung.

Eigentlich sah es nicht danach aus, dass wir es diesmal schaffen würden. Aus einem euphorischen „Machen wir“, „klar haben wir Platz auf dem Hänger“, „wir fahren mit mindestens zwei Booten“…..wurde ein „Nee, sorry, dieses Jahr doch nicht“ und so freuten wir uns schon auf 2024, als sich auf einmal doch eine „Mitfahrgelegenheit“ auf dem Hänger des BRC (Berliner Ruder Club) auftat. Also: Boot zum Wannsee, Reise gebucht und Vorfreude entwickelt. Das Team bestand aus dem Familienvierer mit Ron, Petra, Ansgar, Antje und Dirk.

Pfingstfreitag ging es dann los und aufgrund eines Streiks der Vaporettos entschlossen wir uns spontan für die Exklusivvariante zum Hotel mittels Taxi Boot. Nicht ganz billig aber extrem flott und sehr cool so durch die Lagune zu brausen. Dermaßen schnell im Hotel angekommen wurde dann natürlich erst mal Venedig erkundet. Wie wird sich die kleinste Großstadt der Welt nach der Coronazeit verändert haben? Was ist mit den durchaus berechtigten Zugangseinschränkungen für Touristen und wie ist die Stimmung überhaupt? Zeitgleich fand ja auch die Architekturbiennale statt, mal sehen also. Natürlich ist Venedig übervölkert von Touristen, aber die Stimmung ist weiterhin sensationell freundlich. Einfühlungsvermögen und Freundlichkeit vorausgesetzt, erlebt man eine offene und hilfsbereite Atmosphäre und einen durchaus geschäftstüchtigen Sinn für Dienstleistungen. Aber das beschreibt natürlich nicht im Ansatz die leckeren Eissorten, und Aperolpausen, das charmante Schlendern durch die Gassen und die kleinen Abenteuer, die das ungewohnte Fahren mit den Vaporettos nun so mit sich bringt.

Am Samstag wurde es dann ernst: Startnummer abholen und nach Tronchetto zum Boote abladen. Der BRC war mit zwei Achtern und einem Vierer dabei, wir hatten unseren Familienvierer schnell startklar und auf ging es zum befreundeten Ruderklub Cannotieri Giudecca. Ein wenig Canale Grande, ein paar Schleichwege und die wellige Passage hinter dem Dorsoduro und schon konnte das Boot zwischen traditionellen Ruderbooten auf dem Gelände abgelegt werden. Natürlich mit anderen Gästen, aber aufgrund unserer netten Kontakte zu Michele direkt in der ersten Reihe und mit anschließender Clubführung. Alles war in großer Vorfreude auf die Vogalonga.

Am Sonntag war dann frühes Aufstehen angesagt. Ab 7:40 fuhr (fast) kein Motorboot mehr, also mussten wir vorher vom Lido zurück nach Giudecca. Überpünktlich konnten wir also unser Boot vor den Markusplatz rudern und auf das Startsignal um 9:00 Uhr warten. Die Lagune füllte sich und eine unglaubliche Vielfalt und Anzahl von muskelbetriebenen Fahrzeugen warteten auf den Start. Los geht es! Wir waren weit vorne und erlebten aus der Rudererperspektive, wie sich die Corona in Bewegung setzte. Die erste Engstelle an den Arsenalen und immer weiter Richtung SantÉrasmo und Burano. Nette Geplänkel mit dem internationalen Teilnehmerfeld und fast alle erkannten den sportlichen aber nicht kompetetiven Charakter der Veranstaltung.

Falls diesen Artikel einmal ein Drachenbootfahrer lesen sollte: Wir werden übrigens nicht langsamer, weil wir konditionell zusammenbrechen, sondern weil wir ein langsameres Boot vor uns nicht über den Haufen fahren wollen!

Souverän steuerte man also die Strecke ab, machte mal ein kleines Päuschen oder ein nettes Pläuschen und schwupps schon verging die Route über Burano wie im Fluge und man näherte sich dem eigentlichen Höhepunkt: Der Einfahrt in den Canale die Canareggio zum Canale Grande und zur Rialtobrücke. Es war voll, aber durchaus geordnet und durch die vielen Zuschauer, die mit Applaus und Anfeuerungen nicht geizten ergab sich eine einzigartige Atmosphäre. Direkt an der Maria di Saluta wurde man dann namentlich aufgerufen, im Ziel begrüßt und erhielt seine Teilnehmerurkunde nebst Medaille. Sehr cool war dann der Rückweg organisiert. Bis zum Rio di Ca Foscari war der Canale Grande mit einer Gegenspur ausgestattet und so konnte man sehr flott wieder Richtung Tronchetto rudern, vorbei an der Osteria km 0 übrigens, wo wir uns später mit allen Ruderkameraden treffen wollten.

Als letzte Hürde stand nun das Herausnehmen des Bootes an der Hafenmole an, aber dank vieler helfenden Hände konnte das Boot schnell wieder Richtung Hänger transportiert werden. Kurz vor uns war der Vierer des BRC ebenfalls eingetroffen und gemeinsam wurde der Hänger beladen.

Damit war der ruderische Teil des Ausflugs beendet und aufgrund einer sehr schnellen Vaporettoverbindung ging es zurück zum Lido und ab in die Adria baden. Der letzte Höhepunkt war dann das gemeinsame Abendessen mit den Kameraden vom BRC an einer langen Tafel in der Osteria km 0. Es folgten diverse Getränke, leckeres Essen, launige Gespräche und eine sehr nette Übergabe der Medaillen durch Markus, dem verantwortlichen Bootstransporteur. Mit dabei waren übrigens einige echte BRC-Urgesteine und auch etliche als Quereinsteiger bezeichnete Ersttäter und bei etlichen Reden wurde diese ungewohnte Konstellation sehr gelobt. Wir möchten uns an dieser Stelle sehr herzlich für den Bootstransport bedanken. Wir haben eine durchaus sympathische Facette des BRC kennengelernt und freuen uns auf ein Wiedersehen bei „Rund um Wannsee“.

Der letzte Tag war dann rein touristischer Natur, na gut nicht ganz, da Michele mit seinem eigenen venezianischen Ruderboot nach Murano gefahren war und Antje die einmalige Gelegenheit einer Privatgondelfahrt erhielt. Und dort verabschiedeten wir uns dann von der Serenissima, wahrscheinlich und hoffentlich werden wir nicht das letzte mal dort gerudert sein.

DZ